Selbstliebe und Egoismus

ImLichte_LoewenWenn man sich mit dem Thema Selbstliebe auseinandersetzt, kommt man irgendwann an dem Punkt, wo sich die Frage stellt: Wo hört die Selbstliebe auf und wo fängt der Egoismus an? Entweder stellt man sich selbst die Frage oder man wird mit der Frage aus dem eigenen Umfeld konfrontiert, welches oft nicht mit unserer Veränderung einverstanden ist.

Es gibt einen klaren Unterschied. Für Selbstliebe sind wir nicht auf unsere Partner, Familien, Freunde oder Kollegen angewiesen, dass hat nur etwas mit uns selbst zu tun. Wir habe ein Bedürfnis und wir erfüllen es uns. Wenn wir hungrig sind, dann essen wir. Wenn wir müde sind, dann schlafen wir. Haben wir das Bedürfnis allein zu sein, dann ziehen wir uns zurück. Geht es uns nicht gut, dann kümmern wir uns darum. Jemand anderes muss nichts dafür tun, damit wir uns selbst lieben können. Es braucht keinen anderen, es reicht wenn wir etwas tun. Natürlich kann es sein, dass andere sich durch unser Verhalten verletzt fühlen. Sie haben vielleicht Erwartungen, die wir in diesem Moment nicht erfüllen können. Das kann passieren, doch die Erwartungen anderer nicht zu erfüllen, ist kein Egoismus. Wir können nichts für die Erwartungen anderer, wir sind nicht dafür verantwortlich, außer wir haben uns dazu verpflichtet. Was andere von uns erwarten, ist ihre Sache, nicht unsere. Es ist wichtig klar zu unterscheiden und eine Grenze zu ziehen, was liegt in unserer Verantwortung und was liegt in der Verantwortung des anderen. In unserer Verantwortung liegt es, sich um uns selbst zu kümmern und es nicht von anderen zu erwarten, dass sie sich um uns kümmern. Und das gilt auch für den Anderen.

„Egoistisch ist nicht der, der sich um sich selber kümmert, sondern der, der das versäumt hat und es jetzt von anderen erwartet.“

Safi Nidiaye – Die Stimme des Herzens

Egoismus fängt erst da an, wo wir von anderen erwarten, dass sie etwas für uns tun. Wenn wir erwarten, dass der Andere uns liebt, dann kann das Egoistisch sein. Wenn wir erwarten, dass sich ein Anderer um uns kümmert, das tut, was wir eigentlich selber tun könnten, aber nicht wollen oder uns denken, nein, dass muss der Andere jetzt für uns tun, dann sind wir in der Falle des Egoismus gelandet und wir werden leiden.

Bedeutet das nun, dass wir nie wieder etwas für andere tun müssen und uns nur noch um uns selbst kümmern brauchen? Ja und Nein. Wer in seinem Leben nie Selbstliebe praktiziert hat, für den kann es ein wichtiger Schritt sein, zu lernen auch mal Nein zu sagen. Nein, ich kann dir jetzt nicht helfen, ich muss mich um mich selber kümmern. Wahre Liebe ist ohne Selbstliebe nicht möglich. Wir können nur geben was wir auch besitzen, wenn in uns keine Liebe ist, können wir sie auch nicht teilen. Deshalb ist es ein wichtiger Schritt, sich um sich selber zu kümmern, dass zu tun, was einem gut tut, auch wenn das bedeutet, jemand anderen zurück zu weisen. Denn nur wenn wir wirklich die freie Wahl haben, zu helfen oder nicht zu helfen, können wir aus dem Herzen heraus handeln und lieben, den Liebe ohne Freiheit gibt es nicht. Wenn wir nur aus Pflichtgefühl heraus handeln, bleibt ein bitterer Beigeschmack, wir geben dann nicht bedingungslos aus dem Herzen, wir erwarten dann etwas dafür, eine Gegenleistung, Liebe, Dankbarkeit oder andere Dinge.

„Sobald ihr unfähig seid, euch selbst zu lieben, seid ihr nicht mehr in der Lage, andere zu lieben. Das ist eine absolute Wahrheit, es gibt dazu keine Ausnahmen.“

Osho – Intimität

Doch wenn wir uns zu etwas verpflichtet habe, einem Menschen gegenüber oder einer Gruppe von Menschen, wenn wir unser Wort gegeben haben, dann sind wir unserem Wort gegenüber verpflichtet. Unsere Wort bindet uns an diese Handlung, wir können dann nicht einfach sagen, egal was ich gesagt habe, ich mache was ich will. Wir sind zwar nicht dem anderen gegenüber verpflichtet, aber uns selbst gegenüber, unserem Wort. Dann ist es wichtig, sich an sein Wort zu halten, eine Tugend, die in dieser Zeit viele vergessen haben. Wenn wir unser Wort nicht halten können oder wollen, dann müssen wir zum anderen gehen und es ihm sagen, ihn bitten, uns von unserer Verpflichtung zu befreien, mit ihm zusammen eine Lösung finden. Das ist von entscheidender Bedeutung. Tun wir das nicht, so bauen wir eine karmische Verpflichtung auf, wir sabotiere uns selbst und den Prozess der Selbstliebe, denn wie können wir uns selbst lieben, wenn wir unserem eigenen Wort nicht vertrauen können? Wenn wir uns selbst nicht vertrauen können?

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